Die Dienstbesprechung

 

Die Dienstbesprechung fand in der Kellerbar des Mister Miller statt. Im Halbdunkeln wurden halbvolle Whiskygläser gereicht.

Die Gesichter der Mitarbeiter, die sich zu dieser halb dienstlichen und halb privaten Besprechung eingefunden hatten, waren kaum zu erkennen, da sie sich fast gar nicht von der Ledergarnitur abhoben; wahrscheinlich waren die Gesichter im Laufe der Besprechung schon genauso faltig geworden wie die Lederpolster aussahen.

Geräuschlos schlich sich die Musik aus den in den dunklen Ecken stehenden Lautsprechern. Aus den wispernden Geräuschen in der Kellerbar ließ sich schließen, daß sich alle mitten in der Dienstbesprechung befanden. Zeitweise ließ sich ein kurzes „zzzzzt“ vernehmen, worauf Bimbo der Hausboy erschien und Whisky in die leergewordenen Gläser nachschenkte.

Die Wolken huschten am Himmel entlang und ließen den Mond zeitweise sein silbern schimmerndes Licht durch das halbhoch gelegene Kellerfenster werfen.

Ab und zu erhob sich schemenhaft eine Gestalt aus den faltenreichen Lederpolstern, um sich zu einem gewissen Örtchen zu begeben. Als sich nach einiger Zeit wieder einmal eine Gestalt aus dem Halbdunkeln schälte, ließ sich urplötzlich ein hoher spitzer Schrei vernehmen. Alle schreckten aus den vertieften Gesprächen hoch, um zu sehen, was sich soeben ereignet hatte.

Man konnte nicht sagen, daß sie neugierig waren, nein, sie wollten nur alles wissen. Sofort bildete sich an dem rechteckigen Tisch eine Runde und man begann zu ermitteln, wer, und wieso, mitten in der Besprechung die so äußerst wichtigen Gespräche störte. Aber schon nach kurzer Zeit hatte man das Problemchen gelöst. Mister Brown hatte der sich aus dem Sessel erhebenden Sekretärin Lucy Suckme in den so wohlgeformten Hintern gekniffen.

Das löste natürlich allgemeine Heiterkeit aus und jeder schmunzelte vor sich hin. So eine kleine Ablenkung mußte natürlich auch mal sein, und schon waren die dienstlichen Gespräche beendet. Nach diesem amüsanten Vorfall wollte man nun zu dem gemütlichen Teil des Abends übergehen.

Für Bimbo war es nun an der Zeit, die mehrfach geleerten Whiskygläser abzuräumen. Danach hatte er die kalten Buffetplatten aufzustellen sowie die Bierfässer in Betriebsbereitschaft zu bringen.

Nun wurde auch für einen kurzen Augenblick das Kellerfenster geöffnet, um die reichlich rauchgeschwängerte Luft zu erneuern.

Bei dem Essen breitete sich eine ungeheure gefräßige Stille aus. Nur zeitweise war etwas Schmatzen und Schlürfen zu hören; daran konnte man merken, daß es den Leuten schmeckte.

Plötzlich war ein unüberhörbares Rülpsen im Raum zu vernehmen. Mr. Brown entschuldigte sich mit den Worten „Wer keine Miete zahlt muß raus“ und setzte sein Mahl fort.

©René Bernd Brunotte